Kredit-Wörterbuch:
Die Laufzeitabhängigkeit
Wenn man sich im Internet, oder auch durch Zeitschriften, Zeitungen
oder sonstige Werbemedien, über die bestehenden Kreditangebote
am
Markt
informiert, dann stellt man schnell fest, dass hinter den werbewirksam
dargestellten Zinssatz
stets ein
kleines Sternchen verborgen ist, das
auf eine Fußnote verweist. In dieser Fußnote findet
sich
dann in aller
Regel ein Text, der ausdrücklich darauf hinweist, dass der
Zins
sowohl
bonitäts-
wie auch laufzeitabhängig
ist. Während die Bonitätsabhängigkeit noch sehr leicht nachvollziehbar ist - "sichere" Kunden erhalten einen günstigeren Zins als Problemkunden - ist die Abhängigkeit des Zinsen von der Laufzeit für viele Menschen nur relativ schwer zu verstehen.
Bei einem laufzeitabhängigen Zins geht das Kreditinstitut davon aus, dass es besser ist, wenn das Geld möglichst schnell wieder an die Bank zurückgezahlt wird und wieder für eigene Investitionen, oder zum Verleih an einen neuen Kreditnehmer, zur Verfügung steht. Wenn also die Laufzeit nur sehr klein gewählt wird, wird auch der Zins entsprechend niedriger gewählt, wenn die Rückzahlung sich aber über einen sehr langen Zeitraum erstreckt, muss der Zins entsprechend nach oben angepasst werden.
Sehr schön kann man diesen Zusammenhang bei Bausparverträgen beobachten: Es gibt Bausparverträge mit effektiven Darlehenszinsen in den unterschiedlichsten Höhen, z.B. zwischen 1,99% eff. und 5% eff. Auf den ersten Blick würde nun jeder Bausparer den günstigeren Vertrag nehmen, auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch, dass bei diesen Tarifen das Bauspardarlehen mit einer sehr hohen Tilgung - also über einen kurzen Zeitraum - an die Bausparkasse zurückgezahlt werden muss. Das Prinzip ist hier genau dasselbe wie bei einem Bankdarlehen: Das schnell zurückgezahlte Geld steht der Bausparkasse zur nächsten Vergabe an einen Bausparer zur Verfügung, während man bei dem langfristigen Darlehen noch sehr lange auf die vollständige Rückzahlung wird warten müssen.
